04 Juli 2008

Das Militär - Bootsunglück

Eine persönliche Nachlese zum Schlauchbootunglück in der Kander

Entweder habe ich es verpasst oder aber in den Medien wurde nichts darüber gesagt: Ich meine, man ertrinkt in einer Walze nicht trotz einer Rettungsweste, sondern wegen der Rettungsweste! Im Fernsehen wurde zwar anschaulich gezeigt, wie eine Walze entsteht und dass man darin herum gewirbelt wird. Hat man genügend Auftrieb - wie zum Beispiel die Schlauchboote - so bleibt man an der Oberfläche im rückläufigen Wasser hängen. Andernfalls sinkt man in die Walze hinein und kommt nur noch raus, in dem man an den Flussboden abtaucht. Und dann unterhalb der Walze raus schwimmt. Soweit, so ungut. In der Walze hat es nun aber viele Lüftblasen, was das spezifische Gewicht des Wasser herabsetzt; die Schwimmweste trägt nicht mehr und die Walze wird zu Falle. Taucht man aber ab - sofern das im Stress des Todeskampfes überhaubt möglich ist - kommt man wieder in Wasser mit wenig Luftblasen und die Schwimmweste hebt einem wieder in die Walze hinein. Frage an die Clubmitglieder: Ist meine Meinung richtig und nachvollziehbar? Wenn nein: Ich bitte um Kommentare

Posted by bmichel at 18:52 | Kommentare (5)
Kommentare
Re: Das Militär - Bootsunglück

Es scheint mir unglaublich schwierig, mit einer Schwimmweste abzutauchen. Hat das schon mal jemand geübt???

Posted by: Gerda Lenzhofer at July 09,2008 08:34
Re: Das Militär - Bootsunglück

Ich denke, es geht nicht. Und daher auch meine Meinung, dass man in der Walze nicht trotz der Schwimmweste, sondern eben genau wegen der Schwimmweste ertrinkt

Posted by: Bruno Michel at July 09,2008 22:29
das Glück oder das Los

Die Realität sieht meistens anders aus. Bei der Rettung von Mensch aus Walzen (z.B. Bern, Schwellenmätteli) oder bei der Bergung von Leichen nach Unfällen in Walzen ergaben sich meistens folgende zwei Szenarien:
1. Kleider und Rettungswesten wurden den Betroffenen in den Walzen meistens innert kürzester Zeit abgerissen (abgezogen). 2. Die Betroffenen verloren meistens in der Walze innert Sekunden die Orientierung. Das Abtauchen und schräg Austauchen ist zwar theoretisch richtig, jedoch in der Realität meistens nicht möglich.
Alle Überlebenden gaben an, sie hätten einfach ohne Orientierung abgestossen. - Fazit: Ob mit oder ohne Rettungsweste usw., das Glück oder das „Los“, oder was auch immer, entscheiden oft über Leben und Tod.
Ausbildung, Erfahrung, gute Vorbereitung, Bescheidenheit usw. beeinflussen das Restrisiko ganz wesentlich.

Posted by: Urs Zoss at July 13,2008 13:59
Re: Das Militär - Bootsunglück

Danke Urs Zoss für die Klarstellung, was in der Praxis wirklich abläuft. Die Walzen gehören halt schon zum Problemkreis: "Unwissenheit schützt nicht vor "Strafe". Verbleibt die Frage, ob wir eine neue oder zusätzliche Form der Information machen sollten.

Posted by: Bruno Michel at July 14,2008 14:26
Re: Das Militär - Bootsunglück

Information ist richtig und wichtig! - Seit mehr als 10 Jahren habe ich in meine Kurse "Wasserrettung, Fluss" die Thematik Flusseigenschaften und Strömungsphysik als festen Bestandteil eingebaut. Dieser Theorieblock dauert 2 Stunden. - Ich bin auch der Meinung, dass die SLRG die Bevölkerung entsprechend informieren sollte. Bruno, ich unterstütze Deine Idee.

Posted by: Urs Zoss at July 19,2008 22:49

Das Militär - Bootsunglück



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